Song-Premiere Hallelujah (Tantra-Version) & Kommentar

Chono - Hallelujah - CoverMorgen, am 22.12.2019 um 5:19 MEZ Ist Wintersonnenwende und in Berlin geht an diesem Tag die Sonne um 8:35 auf. Das Fest der Liebe steht vor der Tür, und das Tantra begrüßt das Göttliche in jedem von uns. Da will ich es mir nicht nehmen lassen, auch mal Kraft meiner Göttlichkeit etwas Licht zu verkünden 🙂

Also, sprach Chono, soll zum morgigen Julfeste bei Sonnenaufgang die Quell meines Herzens reformierte Verlautbarung des Cohen’schen Hallelujahs im Lande YouTube – obgleich noch ohne Video – vollzogen sein, wir werden schreiben den 22. Dezember, Anno 2019, zur achten Stund und einer Halben.

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https://youtu.be/MtcUoNDvXoc

Es war einmal

Ich habe schon lange eine Schwäche für das Covern schöner Popsongs, unter meinem alten Musiker-Pseudonym Wolf Nilson findet man eine Auswahl davon auf Youtube.  Doch gehörte das Hallelujah lange Zeit nicht dazu. Ich mochte es nicht, ich fand es zu abgenudelt, zu hysterisch, zu kitschig, was eben das Musiker-Ego so an Schubladen am Start hat, um die Verantwortung für die eigenen, inneren Widerstände abzugeben. Dann geschah es jedoch, dass ich mich eines Tages in einem Tantra-Ritual in einer ekstatischen Vereinigung mit einer leidenschaftlichen Shakti wiederfand, und der Ritualmeister das Hallelujah auflegte – gesungen von einer Frau. Das Wort Hallelujah ging mir mitten ins Herz, auf einmal begriff ich, dass es nichts anderes bedeutet als Namasté: Preiset den Herren, ich verehre das Göttliche in dir. Wir vögelten und sangen Hallelujah und schmelzten und leuchteten in tiefster Einheit miteinander und dem Alleinen des Universums. Da hatte ich das Lied zum ersten Mal wirklich gehört.

Ich möchte eine Brücke (weiter)bauen

Symbol des Ordens der geeinten HerzenDas Hallelujah von Leonard Cohen wurde schon unzählige Male von anderen Künstlern interpretiert und auch textlich erweitert, verändert, ergänzt und übersetzt, ich folge hier einer sehr alten Tradition der stetig im Einklang mit dem kulturellen Wandel färbenden, mündlichen Überlieferung. Cohen selbst war als Jude zutiefst religiös, seine Großväter waren ein Rabbiner und ein Lehrer an einer religiösen Hochschule. Der Name Cohen weist ihn als einen der Kohanim aus, der jüdischen Tempelpriester, die direkte Nachfahren Aarons sein sollen. Er gründete später den Orden der geeinten Herzen, dessen Symbol zwei verschränkte Herzen sind, die seinen Grabstein anstelle des Davidsterns ziehren. Über diesen Orden weiß ich nicht viel, aber schon das Symbol gleicht fast einem Yantra, es ist zu tiefst tantrisch, enthällt die Vereinigung von Yin und Yang zum göttlichen Ganzen.

In der ersten Fassung des Hallelujah war jede Strophe ein Bild aus dem Tanach, der jüdischen Bibel, die in etwa dem christlichen, alten Testament entspricht. In einer späteren, heute wesentlich bekannteren Version thematisiert Cohen selbst das Thema Liebe. Max Prosa hat eine sehr schöne, deutsche Übersetzung geliefert, die textlich ganz nah an dieser Fassung bleibt.

Eigentlich hatte ich diese Fassung lernen und singen wollen, doch je tiefer ich in den Text eindrang, desto mehr spürte ich, dass ich der Welt etwas anderes sagen möchte. Das Original ist ein Drama, das alte, christlich-jüdisch-sonstwie-traditionell-monotheistische Drama, welches besagt, dass die romantische Liebe dich schlussendlich in die Hölle bringt, und nur die reine Liebe zu Gott, das Hallelujah, wirklich heilig ist, wirklich Erlösung schenkt. Am Schluss ist er allein, aber es klingt sein „altes, kaltes Hallelujah“ – ein inquisitorisches Happy-End.

Wer als Tantriker einmal wirklich die Heilige Lust gespürt hat, sich einmal vollkommen befreit hat von den alten Dämonen namens „Schuld“ und „Scham“, der bekommt diesen Text so nicht mehr glaubwürdig über die Lippen.

Es gibt in all den patriarchalen Religionen, die ihre Macht auf Schuld und Scham begründet haben, einen tief sitzenden Schmerz-Fetisch, einen sakralen Masochismus von Selbstkasteiung, der es uns nur erlaubt Freude und Ekstase zu erleben, wenn wir uns am besten vorher schon dafür kasteien, wenn wir irgendwie dafür büßen, uns klein machen, uns selbst bestrafen. Einfach nur so Lust zu erleben aus Freude und Spaß, das darf um Gottes Willen nicht sein – das ist Sünde. BDSM ist eine besonders anschauliche, moderne Form von diesem Kreislauf des Leidens. Genuss geht nicht ohne Strafe.

Dieser Masochismus ist in den meisten Interpretationen noch deutlicher zu spüren als in Cohens Original. Bei Cohen ist stark die Hoffnung zu spüren, dass es vielleicht noch eine andere Erlösung gibt.

Im Tantra lösen sich alle Widersprüche auf

Auch im Tantra spielt die Schattenarbeit eine wichtige Rolle. Wir wenden uns den so genannten negativen Gefühlen zu, finden ein Ja dazu und kreieren uns Räume in Meditation und Alltag, wo wir diese Gefühle ganz ausleben und fließen lassen. Aber wir erzeugen sie nicht künstlich, um eine Schuldbilanz auszugleichen, sondern wir bleiben stets authentisch mit dem, was gerade wahr ist. Vor allem folgen wir dabei dem natürlichen Rhythmus  von Yin und Yang. Wir atmen ja auch nicht gleichzeitig ein und aus, sondern abwechselnd. Wenn wir einatmen, tun wir das zu hundert Prozent, dann folgt ein Moment der Stille, erst dann atmen wir aus, zu hundert Prozent, und wieder folgt die Stille. So ist es auch mit Genuss und Schmerz und den anderen Dualismen, die unsere Erlebniswelt ausmachen. Das Gleichgewicht stellt sich ganz von selbst her, wir sind nur Zeugen und sagen Ja, und was wir tun, tun wir mit ganzer Hingabe, kosten jedes Extrem voll aus und erleben unser Sein damit im größtmöglichen Raum der wandelbaren Grenzen unserer Seele.

Wenn wir in die tantrische Praxis eintauchen, uns in die nondualistische Vereinigung der Polaritäten versenken, geschieht eine höhere Form der Freude, der göttlichen Ekstase – es ist ein Zustand des lustvollen Friedens, der keinen Gegenpol hat. Da gibt es nichts aufzuwiegen, dies ist ist der derzeit wohl größte und fatalste Irrtum der patriarchalen Geschichte. Ohne dieses Sündenkonzept hätte das Patriarchat aber auch nie erblühen können, denn Herrschaft und befreite Sexualität gehen nicht unter einen Hut.

Also mal Schmerz bei Seite

Wenn ich Hallelujah singe, singe ich gleichzeitig Namasté, Lā ilāha illā ʾllāh, und all die anderen Arten und Weisen zu sagen, dass alles eins und alles göttlich ist. Im Tantra ist die Vereinigung von Shiva und Shakti der höchste Gottesdienst, und zwar auf ganzheitliche Weise: Physisch wie spirituell, seelisch, emotional, bildlich, klanglich u.v.a. Die Heilige Lust erklingt in uns, wenn wir das göttliche Licht in jeder Körperzelle prickeln fühlen, wenn der Atem ekstatisch fließt und mit jedem Hüftschwung und jedem Atemzug das tantrische „Ja“ ertönt. Jeder Mensch, der die sakrale Tiefe dieser Kraft wirklich erlebt und ganz angenommen hat, ist von den Dämonen Schuld und Scham geheilt, die ohne ihr Futter, den alten Glaubenssätzen der Sündhaftigkeit und des Schmutzig-Seins unserer Sexualität einfach verhungern und sich auflösen. Wir vögeln uns reinen Herzens ins Licht. Ich lade Dich ein, aus dieser leuchtenden Ekstase heraus das Hallelujah zu verkünden.

HIER findest Du den kostenlosen mp3-Download

Du darfst das mp3 gern frei kopieren, weitergeben, und bei jeder Gelegenheit öffentlich spielen (Achtung: Bei öffentlichen Aufführungen fallen zurecht GEMA-Gebühren an, die Cohens Erben zu Gute kommen).

All meine Liebe zum Fest der Liebe
Chono

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Quelle: Song-Premiere Hallelujah (Tantra-Version) & Kommentar

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