In Zeiten des Feuers

Phönix aus der AscheWas erlebst du gerade in dieser verrückten Zeit der täglichen, neuen Beschlüsse? Fällt dir zu Hause die Decke auf den Kopf? Oder arbeitest du dich gerade halb tot im Krankenhaus, im Supermarkt oder als Paketlieferant? Bist du zu Hause einsam oder ist es dir mit PartnerIn oder Familie zu eng? Schaust du die täglichen Nachrichten mit Sorge, Wut, Belustigung oder Gleichmut? Oder schaust du sie gar nicht mehr? Oder genießt du deine unverhoffte Freizeit und tust endlich all das, wofür du sonst nie Zeit hast? Oder fühlst dich an der Front so richtig schön gebraucht und nützlich, vielleicht sogar stolz darauf, einer der Corona-HeldInnen zu sein?

Das Wilde Leben mit neuen Vorzeichen

Auch und gerade in Corona-Zeiten möchten wir mit euch weiter gehen auf dem Pfad des Wilden Lebens. In diesem Artikel möchten wir euch tantrische Ideen und Praktiken mitgeben für das Hier und Jetzt im coronafizierten Europa, um ein ressourcenorientiertes Krisen-Bewusstsein zu stärken, die Selbsthilfe-Kompetenz fördern und eine Brücke zu bauen für Freude, Lebendigkeit und Kreativität in dieser anderen, neuen Zeit.

Dieses ist unser Leitartikel für den Anfang, wo wir die Gegenwart beleuchten werden und verstehen wollen. Wir werden über Gefühle sprechen, über Perspektiven, persönliche und gesellschaftliche Aspekte, Veränderung, Chancen und Potentiale. Und wir nehmen uns in diesem Artikel viel Zeit und Raum, in die Tiefe zu gehen.

Wir planen, regelmäßig praktische und von uns erprobte Tagestipps zu veröffentlichen, die dir helfen können, für dich, deine Liebsten und eure Beziehungen zu sorgen. Wir wollen euch sehr unterschiedliche Inspirationen geben, für verschiedene Menschen mit verschiedenen Stimmungslagen und Bedürfnissen.

Eine außergewöhnliche Situation

“Alle Systeme runterfahren! Alles, bis auf den Antrieb und die Lebenserhaltung!” Die Trekkies unter euch haben diesen Satz schon oft gehört. Immer, wenn die Enterprise, die Voyager, die Discovery oder die Raumstation Deep Space Nine auf Grund eines Eindringlingsalarms oder einem Kampf mit einer anderen kriegerischen Spezies in Schwierigkeiten geraten ist, wird auf diese Weise Zeit gewonnen. Dann können neue Strategien entworfen werden oder  Reparaturen durchgeführt werden. Die Crew hat dann auch die Möglichkeit, einen weit entfernten Ort in der Galaxis mit fehlenden Rohstoffen zu erreichen oder mit geringstmöglicher Energiesignatur unsichtbar durch ein Kriegsgebiet zu fliegen.

Diese Raumschiffe sind Miniatur-Erden, minimalistische Biosphären mit Regierung und Sicherheitsleuten, medizinischer Versorgung, mit Kultur und Freizeitangeboten, Familien, Schulen und Eheschließungen, mit Forschungsteams, Visionen und vielen komplexen Beziehungen. Star Trek ist für seinen Soap-Opera-Charakter bekannt. Hier birgt jede Krise eine Chance, die Welt zu verbessern und jede Folge bringt den Helden des Tages hervor. Das Erfolgsrezept von Star Trek bestand darin, die Grenzen der bestehenden Gesellschaft aufzuzeigen und sie in Ressourcen umzuwandeln, für eine kreative Gestaltung einer positiven Zukunft, leicht verdaulich und mit Unterhaltungswert.

Können wir das auch? Wie stehts um unser “Raumschiff Erde”? Wir sind ja auch gerade dabei, alle nicht lebensnotwendigen Systeme runterzufahren und eine Raumzeit-Anomalie zu durchfliegen. Wie werden wir in der Zukunft ankommen? Auf einer höheren Bewusstseinsebene? Oder eher in einer sich ständig wiederholenden Zeitschleife? Wie tauchen wir aus dem Wurmloch wieder auf? Völlig lädiert oder neu erstrahlend? Wir wissen es nicht. Und wir denken, es ist Zeit für Erneuerung. Doch bevor wir nun in wilde Visionen stolpern, lasst uns schauen, wo wir sind und erstmal eine Karte zeichnen.

Zweiklassengesellschaft

Applaus
Lizenz CC BY-SA 2.0Quelle

Im Moment zerfällt unsere Gesellschaft in zwei Hälften: die der “systemrelevanten” Berufe und die der “nicht-systemrelevanten” Berufe. Die, die zu Hause bleiben sollen und die, die täglich jetzt noch viel mehr arbeiten müssen. Und an dieser Stelle möchten wir erstmal in den täglichen Applaus für all die ÄrztInnen, PflegerInnen, KassiererInnen, PostbotInnen, PolitikerInnern, OrdnungshüterInnen und JournalistInnen, die jetzt aktiv, sozusagen an vorderster Front, die Krise meistern, einstimmen. Ihr tragt im Moment eine grosse Last für uns alle! Uns ist dies vollkommen bewusst. Hier neigen wir tief unser Haupt, schicken euch unseren Dank und unsere Liebe. Und wir bleiben ganz gewiß zu Hause!

Die anderen, zu denen wir gehören, sind jene, die notfalls auch auf Staatskosten ins Retreat geschickt werden. Manche sind frustriert und wissen nichts mit sich anzufangen. Viele haben niederschmetternde Existenznöte. Manche freuen sich über die Corona-Ferien und immer mehr entdecken, dass wir möglicherweise von der Gesellschaft eine ganz andere und ebenfalls höchst herausfordernde Aufgabe bekommen haben: Unsere Komfortzone hinter uns zu lassen und eine neue Zukunft zu entwickeln, individuell-kollektiv, kreativ und solidarisch auf der Welle der Erneuerung zu reiten.

Aber letzteres ist noch Zukunftsmusik, denn wir stehen gerade noch größtenteils unter Schock. Das ist die erste der sieben Phasen der Veränderung nach Kotter, einem Modell für Veränderungsprozesse, welches wir hier gleich nutzen möchten, um etwas Ordnung in unsere Landkarte der Gegenwart zu bringen. Also Schritt für Schritt.

Kollektive Traumatisierung

Unser mitteleuropäisches Wohlstandsleben ist momentan zutiefst aus den Fugen geraten. Es verabschiedet sich gerade, sehr plötzlich und auf unbestimmte Zeit. Hier geschehen jetzt viele Dinge, die wir noch vor Tagen nicht im Traum für möglich gehalten hätten. Täglich werden wir mit neuen und unfassbaren Ereignissen konfrontiert. Auch wenn die Häuser noch stehen und die Infrastruktur funktioniert, ist es doch eine echte Naturkatastrophe, was wir täglich mehr und mehr zu spüren bekommen. Bedeuteten die Schulschließungen letzte Woche noch einen enormen Einschnitt im gesellschaftlichen Leben und das Überschreiten einer bis dahin unantastbaren Grenze, so geschehen vergleichbare Veränderungen seither beinahe täglich. Grenzüberschreitung reiht sich an Grenzüberschreitung. Längst  können wir nicht mehr angemessen reagieren, weil die Welt sich viel zu schnell dreht. Viele Menschen sind im Grunde genommen völlig unfähig, mit der derzeitigen Situation angemessen und flexibel umzugehen. Sie sind überfordert. Panik macht sich hier und da breit.

Zudem erleben fast alle Menschen im Moment einen Verlust. Sei es, dass der Arbeitsplatz wegfällt, wir durch den Kursverfall an der Börse Geld verlieren, unseren teuer ersparten Urlaub nicht antreten können oder, oder, oder… Ganze Unternehmen stellen die Produktion ein oder gehen pleite. Der Verlust ist dramatisch. So viele berufliche Existenzen, die auf einmal weg brechen. Viele sehen sich vor dem Ruin, und wissen eigentlich nicht, wie das Leben morgen weitergehen soll. Die Sicherheit, die uns normalerweise wie ein doppeltes Netz umgibt, schwindet, und wir befinden uns im freien Fall der Angst.

Angriff, Flucht & Erstarren

Unser evolutionäres Erbe will es so, dass dies die drei vorgefertigten Notfallprogramme sind, mit denen unser System in einer lebensbedrohlichen Situation reagiert. An erster Stelle steht naturgemäß beim Menschen der Angriff, allerdings ist der Angriff im Rudel gemeint, derzeit sichtbar in Form von Jugendlichen die öffentlich und provokativ “Corona-Partys” veranstalten. An Platz zwei steht die Flucht. Für jene, die in den systemrelevanten Jobs arbeiten, bietet sich die Flucht in die Arbeit an, andere flüchten sich beispielsweise in die Ablenkung durch übermäßiges Ausüben von Hobbys oder Drogenkonsum.

In unserer Gesellschaft ist allerdings das Erstarren bei vielen Menschen an die erste Stelle gerückt, was daher rührt, dass viele Menschen in unserer Generation als Baby frühzeitig der Körperkontakt verweigert wurde. Das ist für ein Primatenbaby eine lebensbedrohliche Erfahrung. Wenn uns in dieser Zeit das Schreien abtrainiert wurde, haben die meisten von uns das Erstarrungsmuster an Platz eins gesetzt, weshalb wir uns meist nicht erlauben, unsere Angst bewusst wahrzunehmen, geschweige denn, ihr mit Stimme und Körper Ausdruck zu verleihen.

An dieser Stelle verbirgt sich nun in Krisenzeiten eine echte Gefahr, denn wenn wir mit der Angst keinen kompetenten Umgang finden, kann sie sich in sehr ungesunder Weise Bahn brechen. Erst sind es die Hamsterkäufe, später die häusliche Gewalt oder sogar bürgerkriegsähnliche Zustände. Darum möchten wir uns hier die Zeit nehmen, diese Angst-Kompetenz zu beleuchten und zu fördern.

Autopilot defekt – vom Auflösen der vorhandenen Strukturen

Im Moment lösen sich die äußeren Strukturen unseres Lebens auf. Viele Menschen arbeiten nicht mehr auf herkömmliche Weise, gestalten ihren Tag selber im home office oder arbeiten gar nicht mehr. Familienbesuche fallen aus, sportliche Aktivitäten, Stammtische, Selbsthilfe-Gruppen, Meditations- oder Yogagruppen, Kultur und Freizeit, alles ist plötzlich aus unserer Alltagswelt verschwunden und hat – nicht selten unangenehm – leere Räume hinterlassen. Strukturen geben uns Halt und ein Gefühl von Sicherheit. Viele Menschen empfinden den Verlust von Strukturen als sehr beängstigend und noch mehr Menschen nehmen diese Ängste gar nicht bewusst war. Sie sind “einfach” in einem leidvollen Zustand, genervt, reizbar oder depressiv.

Und auch wenn nach der Krise sicherlich vieles wieder wie vorher sein wird, so wird doch auch vieles anders sein. Wir werden persönlich und als Gesellschaft an einem anderen Punkt stehen, denn wir sind gemeinsam durch ein Nadelöhr gegangen.

Veränderung

Es gibt Zeiten im Leben, da können wir unseren Wunsch nach Veränderung dosieren, sie kontrollieren, von diesem ein bisschen mehr und von jenem ein bisschen weniger machen. Wir haben es in der Hand, ob überhaupt und wenn ja, wieviel wir uns verändern wollen. Das ist in der gegenwärtigen Situation nicht der Fall. Das Leben selbst fordert uns zur Veränderung heraus. Und ausnahmslos jeder Mensch bekommt jetzt gerade seine ganz persönliche Challenge – das ist doch irgendwie auch gerecht, oder? Was wir damit sagen wollen, ist vor allem, das du nicht alleine bist. Der Mensch neben dir steckt in derselben Zwickmühle, muss durch diesselben Prozesse hindurch gehen wie du, auch wenn sich das ganz anders zeigt.

Die sieben Phasen der individuellen Veränderung

Modelle sind Werkzeuge des Erkennens und sie sind ebenfalls Strukturen, die uns Halt geben können. Wir wollen an dieser Stelle das Sieben-Phasen-Modell nach Kotter adaptieren und für die momentane Situation und auf unseren Pfad des Wilden Lebens anwenden. Dieses Modell des Harvard Professors für Führungsmanagement John Paul Kotter hilft uns, im Sinne der Meditation aus der Identifikation mit unseren Emotionen heraus zu finden und stattdessen Zeuge zu werden. Wir können sehen, dass unsere Emotionen Teil eines natürlichen, menschlichen Prozesses sind, der sich aus dem Wesen unserer Psychologie in Begegnung mit dem Wesen der Veränderung im außen fast zwingend ergibt. Das erleichtert es uns, unsere Gefühle anzunehmen und bewusst zu durchleben, um Schritt für Schritt durch den Veränderungsprozess zu gehen.

  1. Schock – Diese Phase ist gekennzeichnet durch die derzeitigen Zustände, die wir bis hier schon hinreichend beschrieben haben. Wir verfallen in der Regel in eine Art Apathie. Wir nehmen die Wandlung im Außen als Übergriff auf unser Leben wahr, die eigentlich nichts mit uns zu tun hat und auch nicht haben sollte. Hier ist es wichtig, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen, in Panik zu handeln oder sich unter Druck zu setzen.
    Der Weg aus der Apathie geschieht vor allem, indem wir uns unseren Körper zuwenden, seine Präsenz spüren und wieder ganz in ihm ankommen. Alles, was uns physisch Sicherheit vermittelt, praktizieren wir hier, am besten täglich. Das können Selbstberührungen sein, ein Body scan, Schütteln, Tanzen, Sport, Yoga, Atmen, Kuscheln, was immer für dich da passt. Falls Gefühle aufsteigen, kann es hilfreich sein, diese aktiv auszudrücken.
  2. Verneinung – In dieser Phase glauben wir einfach nicht und wollen nicht wahrhaben, was gerade passiert. Wir regen uns auf (ob zu Recht oder nicht, sei dahin gestellt) über “Panikmache” oder den “Corona-Hype”. Wir suchen Verschwörungstheorien, posten Corona-Witze, fischen gezielt die Informationen heraus, die sagen, dass der Verlauf in der Regel harmlos ist, dass es eigentlich genau wie Grippe ist, dass wir da sowieso alle durch müssen und überhaupt was soll der SCHEISS!
    starke frau, geh für Dich, mut, selbstbestimmung, wildes leben, freie sexualität, wild life tantraAuch hier ist die Körperarbeit unser erster Tipp. Bevor du in politischen Aktionismus verfällst, verprügle lieber deine Matratze oder hau mit den Fäusten aufs Kissen. Tanz dich zu Wut-Musik aus. Erlaube dir physisch, so richtig in Rage zu sein und nimm dieses Gefühl in dir ernst. Finde ein JA zu deiner Wut, zu deinem NEIN.
    Wenn sich die softeren Gefühle zeigen, wenn die ersten Tränen fließen, versuche sie nicht weg-zu-trösten, sondern lass fließen, was fließen will, 100%, bis zum letzten Tropfen.
  3. Ja, aber Phase – innere Auseinandersetzung mit der Veränderung
    Das ist die Phase, in der dir schwant, das du deine bisherige Komfortzone verlassen musst. Du erkennst an, das es da ein unbekanntes Land gibt, welches du betreten wirst. Hier lesen wir gern jeden Viren-Artikel der uns unter die Finger kommt, hören stundenlang Podcasts über die Corona-Krise, schauen uns alle Nachrichten an und diskutieren innerlich mit den Entscheidungsträgern “Es mag richtig sein, die Restaurants zu schließen, damit wir uns nicht anstecken, aber auf der anderen Seite sehe ich auch die vielen Menschen, die ihr Einkommen verlieren.” Wir wägen ab, wir arbeiten uns innerlich und mental durch die anstehende Veränderung hindurch. Wir versuchen, sie zu verstehen und mit unserem bisherigen Weltbild und unseren Werten abzugleichen. In dieser Phase sind wir bereits kooperativer, wir halten uns an die Regeln und bleiben beispielsweise zu Hause. Es ist, als ob sich das Gehirn durch die Infos durchfrisst und diese versucht zu verdauen.
    In dieser Phase raten wir dir zum wissenschaftlichen Selbststudium. Verschaff dir einen Überblick und bilde dir eine Meinung. Höre Argumente, finde Gegenargumente. Lass dieses “Ja, aber….” mal ganz da sein. Kitzel es aus dir heraus. Welches “aber” gibt es noch, was du vielleicht noch gar nicht kennst?
  4. Akzeptanz – Wir haben die Veränderung nun geistig und emotional angenommen, aber was uns nun begegnet, ist unsere Inkompetenz. Wir leben oft in dem Glauben, dass wir als Erwachsene für jede Lebenssituation eine passende Strategie im Werkzeugkasten haben sollten, und wenn der passende Schraubenschlüssel fehlt, bestrafen wir uns nicht selten selbst mit Liebesentzug. Wir fühlen uns minderwertig oder schuldig, schwach oder unerwachsen. Selbstfürsorge ist jetzt extrem wichtig. Wir sollten mit uns selbst nachsichtig sein. Und: wie viele Krisen in deinem Leben hast du denn schon gemeistert? Und wie hast du das gemacht? .
    Lizenz: CC BY-SA 3.0Quelle

    In dieser Phase haben wir zwar akzeptiert, das sich etwas ändern wird, aber wir schwimmen im Nichtwissen. Das kann sich sehr bedrohlich anfühlen. Hier bietet sich ein Refraiming an: Welche Chancen liegen für mich in diesem Nichtwissen? Oder: Was bedeutet dieser Moment in der Schöpfung?
    Das ist der nahezu heilige Moment vor der Erschaffung des Neuen, der Moment der heiligen Leere, aus der dann der Kosmos entstehen wird. Hier können wir dem Neuen in unserem Leben Einlass gewähren. Das ist der Moment, wo wir uns tiefer auf das Leben einlassen, wo wo wir uns wirklich erlauben, etwas nicht zu wissen und stattdessen mehr zu staunen.
    Wenn hier Ängste auftauchen, ist es wichtig, dass wir uns diese eingestehen. Wir halten inne und dürfen sie einfach mal spüren, unsere Angst. Und vielleicht sagst du dir sowas wie: Herzlich willkommen, liebe Angst. Du darfst da sein, ist in diesen Zeiten auch nicht verwunderlich, dass du jetzt an meine Haustür klopfst. Komm rein, liebe Angst, ich koche dir einen schönen heißen Tee, Wickel dich in meine Lieblingsdecke und kuschel mit dir. Und dann kannst du mir ja alles mal in Ruhe erzählen, was dich bedrückt… Was dir den Atem raubt… Was das Engegefühl in der Brust maccht, warum du so reizbar bist…, und was du brauchst, um dich zu entspannen.

  5. Ausprobieren – Wir haben Glück! Zumindest diejenigen von uns, die jetzt Corona-Ferien haben, denn Frau Merkel hat uns versprochen, dass unsere Existenz gesichert ist und die Prognosen sagen, dass wir vielleicht noch sehr lange Ferien haben werden. Hier verbinden wir uns wieder mit unserem Spieltrieb, wir lernen, wir staunen, wir sind neugierig. Wir setzen uns konkret und aktiv mit der neuen Situation auseinander. Wir machen neue Pläne, was wir in der Zeit der Corona-Ferien alles machen wollen. Wir strukturieren unsere Tag neu und experimentieren. Wir finden heraus, was passt und was passt nicht.
    Wer Kinder im Haus hat, kann diese jetzt mal sein Guru sein lassen. Das Anderssein auf Probe kann dir helfen, auch mal verrückte und absurde Sachen auszuprobieren. In dieser Phase räumst du vielleicht deine Wohnung um, kochst jeden Tag lecker, probierst neue Sportarten und Spiele aus. Erlaube dir in dieser Phase, spielerisch und kreativ zu werden.  Gerade, wenn deine alten Handlungsstrategien in Beruf und Freizeit nicht mehr funktionieren, können sich neue unkonventionelle Lösungen auftun, mit denen du nicht gerechnet hast.
  6. Erkenntnis – Die Corona-Krise rockt! In dieser Phase hast du definitiv das Tal durchquert und spürst den neuen Rückenwind. Welche Erkenntnis du aus der gegenwärtigen Krise haben wirst, können und wollen wir dir nicht im Voraus sagen – das wirst du selbst sehen. In dieser Phase geht es darum, deine neu erworbenen Erkenntnisse zu ankern.
  7. Integration – In dieser Phase hast du die Krise überwunden, du gehst nun gestärkt und selbstbewußt daraus hervor. Danke dir selbst! Mach dir bewußt, was du geschafft hast und vor allem, wie du das gemacht hast. Gib deinen neuerschlossenen Ressourcen auch Worte. In Familien und Beziehungen bietet sich hier an, sich gegenseitig positiv zu spiegeln, einander blumig zu bestaunen. Stell dich mal vor den Spiegel und sieh den wunderbaren Menschen an, der vor dir steht. Wow, was hast du tolles aus dir gemacht! Was bist du nur für ein/e geile/r Hengst/Sau! Oder sieh den Guru in dir, den Weltmeister, die Erleuchtete, was immer für dich da stimmt und sich gut anfühlt.

Das Yin-Yang-Pendel

Es gibt noch einen energetischen Grund, warum wir meinen, dass es im Moment wichtig ist, den Gefühlen Ausdruck zu verleihen und sie intensiv zu verkörpern: Wir holen damit Schwung. Indem wir die “negativen” Gefühle ganz als Teil unseres Seins annehmen und bewusst ausleben, öffnen wir auch die Ventile für unsere “positive” Lebendigkeit. Nach der Philosophie ist in jedem Pol einer polarisierten Energie nämlich sein Gegenstück enthalten. Ohne Links kann es kein Rechts geben und ohne Vorher kein Nachher. Daraus folgt auch:

Nur wenn wir Ja sagen zum Schmerz, sagen wir auch Ja zu Lust und Freude. Nur wenn wir Ja sagen zur Zerstörung alter Strukturen, können wir auch Ja sagen zum Neuanfang, zu Schöpfung und Kreativität. Dies sind die Zeiten des Feuers, der Transformation, es sind die Zeiten, wo das Yin-Yang-Pendel wie wild zu schwingen beginnt, wo die Welt in Wallung gerät.

Wenn wir die dunkle Zeit verschmähen und versuchen, uns von ihr abzuschneiden, sie geduldig auszusitzen und nicht zu jammern, dann wird das Geschenk am Ende auch entsprechend kleiner ausfallen. Wir haben also allen Grund aus der Heftigkeit der derzeitigen Ereignisse große Vorfreude zu schöpfen für das, was da kommt. Die Loopingbahn rattert bald den Berg empor.

Lasst uns fliegen

Matthias Horx hat dieser Tage eine eindrucksvolle Re-Gnose in die Welt gebracht, einen ganz hervorragenden, sehr heilsamen und sehr entspannenden Perspektivwechsel, der uns erlaubt, aus einem völlig anderen Blickwinkel auf die gegenwärtige Situation zu schauen und neue Ressourcen zu finden.

Lizenz CC BY 2.0Quelle

Auch für uns stellt die Arbeit mit wechselnden Perspektiven in der derzeitigen Situation ein wunderbares Instrument dar. Denn die Metaebene erlaubt uns, wie die Meditation, mit den Geschehnissen, den Nöten und den Gefühlen aus der Identifikation zu gehen und wie ein Coach, Lehrer, Therapeut, eine Mutter oder ein Vater, die Dinge liebevoll von außen zu betrachten. So können Versöhnung und Frieden stattfinden.

Und so möchten wir dich zu einer kleinen Reise in deine Innenwelt einladen, zu einer Phantasiereise. Lass dir dabei viel Zeit, so viel Zeit, das deine inneren Bilder in Ruhe auftauchen dürfen, aus den Tiefen deiner weisen Seele. Und wenn die Bilder aufgetaucht sind,  schau sie dir in Ruhe an. Tauche ganz in dein eigenes Kino ein. Nach jedem Absatz gibt es ein “JETZT”, dann schließt du deine Augen und folgst in deiner Weise den Anweisungen, die du gerade gelesen hast. Erst wenn du damit fertig bist, öffnest du wieder die Augen und liest weiter. Oder, besser noch, lass es dir vorlesen, langsam, mit vielen Pausen.

Los geht’s

Begib dich in eine bequeme Stellung. Gerne kannst du auf dem Boden liegen oder bequem sitzen. Lass deinen Körper sich für einen Moment richtig schön entspannen.

Stell dir nun vor, du gleitest aus deinem Körper heraus und schwebst über dir selbst. Du betrachtest dich in jetzt in aller Ruhe. Dann lässt du vor deinem inneren Auge noch einmal die Dinge tun, die du in den letzten Stunden getan hast und schaust dir dabei zu, von oben, aus einer Perspektive, wo du dein Gesicht sehen kannst. Nimm wahr, wie es dem, den du beobachtest, geht.. Welche Gefühle strahlt das Gesicht aus? Was erzählt dir die Körperhaltung? Bewegst er/sie sich schnell oder langsam? Entspannt oder angestrengt, müde oder energisch? Geschickt oder unbeholfen? und wie geht es dir als BeobachterIn?

JETZT

Zoome etwas weiter heraus. Du siehst jetzt die ganze Wohnung und die anderen Menschen, die mit dir dort wohnen. Achte jetzt in Ruhe auf das Miteinander. Wie fühlen sich die Begegnungen an? Wie fühlen sich die Beziehungen an? Liebevoll? Genervt? Abgeschnitten? Sexuell? Tief? Ungeklärt? Nimm es einfach nur wahr, ohne etwas damit zu tun. Wie ist der Raum? Könnte mal gelüftet werden? Könnte mal aufgeräumt werden? Fühlt  er sich klar an? oder chaotisch? Sauber oder schmutzig? Gemütlich oder steril? Persönlich oder fremd? Welche Aspekte springen dir noch ins Auge?

JETZT

Du zoomst noch weiter raus. Du siehst jetzt auch deine Nachbarn, vielleicht die anderen Mieter im Mietshaus oder in deiner Straße. Wie verbunden sind die Menschen? Wie ist das Miteinander? Wirkt das Ganze eher lebendig oder ausgestorben? Herzlich oder anonym? Was ist aus dieser Perspektive von Bedeutung für dich? Und nimm auch immer wieder wahr, wie es dir als BeobachterIn geht.

JETZT

Du zoomst weiter raus und siehst die ganze Stadt, oder das Dorf, in dem du lebst. Wie ist die Gemeinschaft? Wo ist viel Energie, wo wenig? Wo ist Bewegung und wo Ruhe? Wo ist Freude, wo Leid? Was fällt dir auf? Und wie geht es dir, als BeobachterIn?

JETZT

Es geht weiter nach oben, du siehst ganz Europa, das “Epizentrum der Pandemie” (WHO). Was siehst du? Was hörst du? Wie bewertest du die interkulturellen Begegnung in diesen Zeiten? Was findest du bemerkenswert? Was erschreckt dich? Was stört dich?

JETZT

Schlussendlich kommst du im Weltall an und siehst die Erde als ganzes mit ihren vielen Seiten. Von einer Seite aus sieht man fast nur Wasser, Afrika ist riesig im Vergleich zu Europa, im Norden entlang der Polkappe kommen sich Abend- & Morgenland ganz nah. Und du spürst diese ganze Vielfalt an Völkern, an Kulturen und Glauben, an Sprachen und Ritualen, viele sind virtuell verbunden über das Internet, manche auch gar nicht. Ständig werden Millionen Menschen geboren und sterben überall. Du siehst jetzt auch das Wunder der Schöpfung, die große Mutter. Was bewegt dich? Was ist jetzt wichtig? Was fällt dir auf? und wie geht es dir als BeobachterIn?

JETZT

Die Erde nimmt Fahrt auf, der Mond umkreist sie schneller und schneller. Fünf Mal nimmt sie ihre volle Bahn um die Sonne und fünf Mal werden die Pole in Sommer und Winter in Licht und Dunkel getaucht. Dann kommt die Zeit wieder zur Ruhe. Du zoomst in Ruhe wieder rein, bis du im Jahre 2025 an deinem Heimatort wieder ankommst. Vielleicht in deiner Wohnung oder an einem öffentlichen Platz, der dir gefällt. Oder an einem ganz anderen Ort, wo du dann sein wirst.

JETZT

Komm ganz dort an. Nimm den Geruch wahr. Fühle die Luft auf deiner Haut, fühle dich in dieser Situation. Erblicke die Menschen um dich herum, ihre Art, ihre Gesichter, ihre Gewohnheiten, ihre neue Kultur. Wie seid ihr? Du und die anderen an diesem Ort in 2025? Worüber wunderst Du dich? Worüber staunt ihr, wenn ihr darüber redet: “Weißt du noch, wie das Leben vor der Corona-Krise war? Heute ist manches von damals fast unvorstellbar geworden! Damals war…, das war ja sowas von 2020! Jetzt ist es…” Jetzt lass den Film einfach laufen, der laufen möchte und schau ihm zu. Entdecke immer neue Details, lass dich eintauchen.

JETZT

Und nun ist es Zeit zur Rückkehr. Vielleicht will dein zukünftiges Selbst dir auch noch etwas mit auf den Weg geben? Einen Rat, eine Umarmung, oder irgendetwas anderes? Vielleicht einen Gegenstand? Oder vielleicht schleichst du dich auch einfach leise davon, zurück in die Vergangenheit? Mach das, was für dich am besten passt.

JETZT

Du bist wieder in 2020 und kehrst in deinen Körper zurück, in jede Zelle. Du bist wieder ganz du selbst, hier und jetzt. Öffne die Augen, reck und streck dich.

SCHREIBE diesen Moment auf, vielleicht als Tischgespräch im Café, als Monolog vor deinen Kindern oder Enkeln oder als Traumreise, deinen ganz eigenen Rückblick aus der Zukunft, deine Sicht auf das Vorher/Nachher, auf den zurückliegenden Zeitenwandel. Schreibe ihn gern hier in die Kommentare oder an uns per E-Mail, wir würden uns freuen!

Namasté
Chono & Tandana

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Der Beitrag In Zeiten des Feuers erschien zuerst auf Wild Life Tantra Institut Berlin.

Quelle: In Zeiten des Feuers

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